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Schadstoffe Pankratius Grundschule: Wann schafft der Schulträger endlich Klarheit?

Schadstoffe an der Pankratius Grundschule: Wann schafft der Schulträger endlich Klarheit?

Betreff: Schadstoffgutachten Pankratius Grundschule II                                  4.10.2017

hiermit  beantragt die FDP-Fraktion,

  • dass im gesamten Schulgebäude, d.h. in jedem Raum der Pankratius Grundschule Boden- und Materialproben genommen werden um einen umfassenden Einblick in die dort verbauten Materialien und deren mögliche Schadstoffbelastung zu bekommen
  • dass ein Schadstoffgutachten erstellt wird, das die Boden- und Materialproben auf folgende Schadstoffe überprüft:

         o   Formaldehyd,

o   PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe),

o   PCB (polychlorierte Biphenyle),

o   Asbest

  •   dass für dieses Schadstoffgutachten in Absprache mit den Fraktionssprechern der Parteien und auf deren Vorschlag hin – ein Zweitgutachter beauftragt wird, so dass eine größtmögliche Objektivität hinsichtlich der Messergebnisse gegeben ist
  •  und die Auftragsformulierung den Fraktionssprechern vor Vergabe des Auftrags transparent kommuniziert wird

Begründung:

Auch nach der chemischen Reinigung und Desinfektion der Klassenräume sind die Beschwerden der Kinder nicht gelindert, die Qualität der Raumluft in der Schule ist nach wie vor unzureichend. Hinzu kommt, dass es in vielen Klassenräumen unterschiedlich „riecht“ und in einigen Räumen vermehrt Beschwerden wahrgenommen werden.

Grund für schlechte Raumluft sind „häufig Emissionen aus den verwendeten Baumaterialien und Produkten als Ursache“, z.B. „nicht aufeinander abgestimmte Komponenten im Fußbodenaufbau oder Restfeuchten im behandelten Material, die Zersetzungsprozesse einleiten“[1]. Es ist also davon auszugehen, dass auch in der Pankratius Grundschule dies der Fall ist und in den Klassenräumen unterschiedliche Baustoffe ausdünsten.

Bereits in einem Antrag vom 08.09.2017 hatten FDP und UWG gefordert, dass die Schule auf die oben genannten Schadstoffe untersucht werden solle. Das ist bisher nicht geschehen, bzw. nur hinsichtlich der Raumluft, nicht aber durch Materialproben, so dass wir dringend erneuten Handlungsbedarf sehen. Die Ursache für die Belastung der Raumluft muss gefunden werden. Dazu müssen das verbaute Material und die Baustoffe direkt auf Schadstoffe hin analysiert werden.

 

Folgende Annahmen gilt es zu prüfen:

  • In Teilbereichen der Schule sind unter dem Nadelflies Spanplatten verbaut. Es ist davon auszugehen, dass hier als Ursache für die Belastung eine erhöhte Konzentration an Formaldehyd vorliegt. Dies ist durch Material-, bzw. Bodenproben zu ermitteln. Formaldehyd kann Ursache sein für Kopfschmerzen, Erkältungen, Allergien, Schädigung des Immunsystems und wird verdächtigt, krebserzeugendes Potential zu besitzen. Als Richtwert wurde bisher ein Wert des Umweltbundesamtes zu Grunde gelegt, andere Institutionen legen jedoch sehr viel niedrigere Orientierungswerte fest, die zu beachten sind, da der kindliche Organismus sehr viel sensibler auf Schadstoffe reagiert als der eines Erwachsenen.

 

Richtwert des Gutachtens[2]

100

Orientierungswert der WHO

60

Orientierungswert der AGÖF[3]

30

In z.B. Frankreich Grenzwert für nur „befriedigende“ Luft

50

Richtwert für Kinderzimmer[4] 

48-69

Der im Gutachten angenommene Richtwert kann also durchaus als kritisch angesehen werden. Der Wert von 100 ist deshalb als Kurzzeitwert zu definieren (WHO) und sollte daher nicht für permanente Belastungen in Klassenzimmern toleriert werden. Nicht nachvollziehbar ist verstärktes Lüften als „Lösung“ anzuführen[5], wie es auch im vorliegenden Gutachten[6] angeführt wird.

 

Da die Kinder um Durchschnitt ca. 5 Stunden am Tag in den Klassenzimmern verbringen, ist somit ein Wert von 50-81, der in der Pankratiusschule festgestellt wurde, durchaus als bedenklich einzustufen, vor allem vor dem Hintergrund, dass empfindliche Personen bereits bei Formaldehyd-Konzentrationen von >65 mit Reizbeschwerden reagieren.

 

  •  Im Bereich der Aula ist Parkettboden verlegt. Es ist davon auszugehen, dass auch in einigen Klassenräumen unter dem Nadelflies ebenfalls Parkett liegt. Parkettböden wurden zwischen 1900 und 1970 überwiegend mit Klebern und Fugenmaterial, die PAK und PCB aufweisen, verlegt[7]. PCB ist verantwortlich für die Störung des Immunsystems, erhöhte Infektanfälligkeit, besitzt fruchtbarkeitsschädigendes Potential. Einige PAK gelten als krebserzeugend und können Asbest enthalten. Es gibt Hinweise, dass Kinder empfindlicher reagieren als Erwachsene.
  •  Im Keller der Schule sind zudem Heizungsrohre verbaut, wobei davon auszugehen ist, dass dort Asbest verarbeitet wurde. Dieser tritt zum Teil offen zu Tage. Ebenso kann Asbest in Klebemassen der 80er Jahre enthalten sein. Dieser Feinstaub ist mit den Augen nicht wahrnehmbar, dringt in die Lungen und kann bei Freisetzung zu Lungenveränderungen führen.

 Ziele:

  •  Garantie der Fürsorgepflicht des Schulträgers: der Verdacht, dass das Wohl der Kinder und des Lehrpersonals durch schadstoffbelastete Luft beeinträchtigt wird, soll aus dem Weg geräumt werden
  • Ein gesundes Lehr- und Lernklima an der Pankratiusschule schaffen

 

 


[1] Siehe: Sucker, K., Peters, S., Giesen, Y.: IPA/IFA-Projekt: Wirkung und Bewertung von Gerüchen an Innenraumarbeitsplätzen. S.371. http://www.dguv.de/medien/ifa/de/pub/grl/pdf/2017_121.pdf

[2] Angegebener Richtwert des Umweltbundesamtes

[3] Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute

[4] Siehe Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 8 – 2016. S.1041.

[5] Siehe: www.eggbi.eu. Abgerufen am 30.09.2017

[6] Siehe: Raumluftuntersuchungen auf ausgewählte Luftschadstoffe. S.17

[7] Siehe: Stiftung Warentest: Wohnen ohne Gift. 2003. S. 67.